Norbert Kober: Das Beste aus meinem Erzählerleben

Kirchberg an der Jagst. Kirchberganderjagst. 

Foto von Norbert Kober

Vor Kurzem folgte ich einer Einladung nach Kirchberg an der Jagst. Nichts Böses denkend. In der Orangerie solle ich erzählen. Abends. In gepflegtem Ambiente. Und dann kam ich an, spät nachmittags. Schön wars dort.

 

Nur, was ich nicht wußte: mein Erzählabend war Teil eines Stadtfestes. Sie können sich bestimmt schon denken was passiert ist. Rund 100m von der Orangerie entfernt wuchteten kräftige Männer noch viel kräftigere schwarz lackierte Holzkisten auf eine Bühne mit rund 100 Quadratmeter. Es waren Lautsprecher. Meinen besorgen Blick muss einer der Männer entdeckt haben als er mich ansprach und meinte „Mir und die Mannen sind ne super Coverband!“. „Ah, schön“ hauchte ich, "ich bin der super Erzähler von da drüben“ und zeigte dabei mit dem Finger auf die Orangerie.

 

Mein Erzählabend hatte begonnen - die Band noch nicht. Dann aber; mein Satz war „…und da stand sie nun, ganz allein!“ und die Band: „who the f… is Alice!“ und dies genau in meine Wirkungspause hinein. Wenig später, eine meiner Geschichtenfiguren zu einem Widersacher: „…nein, lieber sterb ich, als dass ich mit Dir geh“,  und die Band: „I will survive!“.

 

Liebe Leserin und lieber Leser, ich beschwöre Sie, ich habe bis jenen Abend in Kirchberg an der Jagst den Wert der Pausen beim Erzählen nicht gewürdigt; ja, schändlich vernachlässigt habe ich sie, aber habe ich solche Strafe verdient? Einst im fernen China fragte ein Lehrer seinen Schüler, welches Teil an einem Rad wohl das wichtigste sei; der Eisenring, die Speiche, die Nabe? Welches Teil ist das wichtigste? Der Schüler rätselte, fand die rechte Antwort aber nicht. „Das wichtigste Teil an einem Rad ist das Loch in der Nabe. Wie sonst sollte man das Rad am Wagen festmachen!“ Dieses Loch in der Nabe ist wie die Pause beim Erzählen.

 

Es heißt doch auch Kirchberg an der Jagst und nicht Kirchberganderjagst. 

 

Euer

Norbert Kober

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