Die Goldmund-Bibliothek im Bienenwagen


Norberts persönliche Vorstellung und Einladung der Bienenwagen Wohnbibliothek: 



Seit 1998 sammeln wir Bücher für unsere Goldmund-Bibliothek. Darin finden sich seltene und teure Bände die wir seit 2006 auch unseren Goldmund-Erzählerinnen und -Erzählern zugänglich machen. In diesem Jahr zieht die Bibliothek in einen liebevoll ausgebauten und bewohnbaren Bienenwagen um. Dieser Bienenwagen steht auf einer Streuobstwiese in der Nähe von Dinkelsbühl und wir laden alle Goldmünder ein, diesen Wagen als einen "Erzähl-Lese-Rückzugsort" zu nutzen.

Dein Besuch in der Bibliothek

Du kannst die „Goldmund Bienenwagen Wohnbibliothek“ für Dich und Freunde mieten. Im angrenzenden Waldgarten darf auch gecampt werden. Dinkelsbühl ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Vom Omnibusbahnhof Schwedenwiese geht man zu Fuß ca. 20 Minuten zum Wagen. Im Wagen ist eine kleine vollständig ausgestatte Küche mit Gas- und Holzherd. Kissen und Decken sind im Wagen (Bettzeug etc. bitte mitbringen). Auf dem Gelände ist ein Brunnen und eine Komposttoilette. Auch stehen Fahrräder und ein 3er-Kanadier zur freien Verwendung zur Verfügung. Die Dinkelsbühler Altstadt (Ensembledenkmal) ist in ca. 10 Minuten, der nächste Supermarkt ist in ca. 7 Minuten mit dem Fahrrad zu erreichen. Die Mindestbuchungsdauer sind zwei Nächte. Spende an den Verein/Nacht: Euro 40,- für bis zu zwei Gäste. 

Die Nutzung des Wagens ist Goldmund-Mitgliedern vorbehalten. Hier der Link zu Deinem Mitgliedsantrag.

Zur Buchung setze Dich bitte direkt mit Norbert Kober in Verbindung - er betreut ehrenamtlich die Bienenwagen-Wohnbibliothek: Tel.: 0174/9149085 

 

Alles was das Erzähl-Herz begehrt

Damit du dich in Ruhe auf den Besuch vorbereiten kannst und einen Vorgeschmack auf die Erzählabenteuer bekommst, kannst du jetzt schon einmal in der Bücherliste stöbern. Einfach nach der Bildergalerie runterladen:

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Die aktuelle Bücherliste der Bibliothek
Über 300 Werke rund ums Erzählen
Bücherliste nach Buchkategorien 2016-07
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Fotogalerie Goldmund Bibliothek

Es war einmal ein alter Bienenwagen...

Die Geschichte unseres alten Bienenwagens. Erzählt von Norbert Kober

 

"Es war einmal ein alter Bienenwagen. Er tat fleißig Dienst im fernen Mecklenburg. Siebenunddreißig Bienenvölker und siebenunddreißig Königinnen lebten darinnen. Und Sie lebten gut. Der alte Imker fuhr mit ihnen von Tracht zu Tracht - von Festmahl zu Festmahl. Von April bis September besuchte der Wagen mal den Raps, dann die Linden und Tannen, dann die blühenden Wiesen des weiten Seenlandes.

 

Eines Tages aber konnte der Imker seine vielen Bienen nicht mehr durchs weite Land fahren und er beschloss die Bienenvölker zu verschenken und den alten Bienenwagen einem Bauern als Hühnerstall zu überlassen. Ein paar Jährchen wird er wohl Herberg für diese sein können, ehe er als Brennholz endet. Da kamen zwei Freunde des Weges, deren Namen bekannt sind, aber nicht verraten werden. Es waren zwei Poeten. Und Poeten hatten es nicht immer leicht in Mecklenburg - herrschte dort zu jener Zeit doch ein wirrer König aus dem fernen Russland. Die beiden sahen den verlassenen Wagen und hatten eine Idee. Von außen ist es ein Bienenwagen - aber kann er nicht von innen eine Schreibklause sein? Ein Ort, an dem die beiden Freunde ihre Gedichte und Texte lesen können, ohne dass jemand mitlauscht? Kann der Wagen nicht einfach auf Wiesen und in Wäldern stehen, wie er es immer tat? Ist ein Bienenwagen nicht ein guter Zufluchtsort für die Künste? Und so geschah es, dass die Honigschleuder einem Schreibtisch wich, dass aus den kleinen Lichtspalten Fenster wurden, dass in den siebenunddreißig Holzkästen nicht Wachswaben sondern Bücher standen.

 

So ging es viele Jahre und viele Literaten lernten den Bienenwagen kennen und lieben. Dann verließ der ferne König des Ostens dieses kleine Land und unsere Poeten brauchten kein Versteck mehr. Sie brauchten auch den Bienenwagen nicht mehr. Sie wollten den Wagen verkaufen - aber nur an einen Poeten. Da kam ein schneidiger Junker des Wegs. Klaus war sein Name, und er war und ist ein Poet. Sein schönstes Buch heißt „Der Wagen. Auf der Suche nach dem verlorenen Sohn“. Und so verließ unser Bienenwagen das ferne Mecklenburg und wanderte ganz langsam (25km/h) quer durch deutsche Lande bis er im bayerischen Allgäu ankam. Dort legte der Wagen, dank Klaus, sein unscheinbares, tarnendes Äußeres ab und wurde bunt. Bunt, ja bunt war wohl die Lieblingsfarbe von Klaus. Uns so lernte ich den Wagen kennen. Klaus, ein schönbunter Mensch in einem schönbunten Wagen. Ein Freund wurde mir Klaus und als er den Wagen nicht mehr halten wollte, da hab ich allen schnöden Mammon den ich damals hatte, zusammengelegt, Freunde um Kleinkredite gebeten, mein altes Motorrad verkauft und den Wagen erworben. Dann kamen sehr lebendige Zeiten für den alten Wagen. Eine neues Dach, ein neuer Holzboden, ein schöner Ofen für kaltes Wetter, Oberlichte für heißes Wetter, eine kleine Küche, ein Waschbecken, ein großes Bett zum Wiederwegräumen tagsüber - kurz, ein kleines Haus ist's geworden. Jedes meiner Kinder bekam ein eigens Fach, und in klaren Nächten konnt man grad durch die Oberlichte die Sterne sehen.

 

Früher mal glaubte man, dass es nicht Sterne sind, die da funkeln, sondern kleine Löcher im Himmelzelt, durch dass das Licht des Göttlichen zu uns Menschen durchscheint. Vielleicht ist es ja auch so?

Dann machte unser Wagen wieder eine Reise - ins Frankenland, nach Dinkelsbühl. Dort hat er eine schöne Heimstatt gefunden. Eine Waldgarten nicht weit von der Altstadt Dinkelsbühl entfernt. Dann wurde ein eigener Brunnen gebaut und nun ist die Goldmund-Bibliothek darin eingezogen. 318 feine Bände die wir über die letzten 18 Jahren gesammelt haben, sind darin zu finden. Eva Henke, eine wunderbare Erzählerin, hat die Bücher geordnet, beschriftet, umhütet. Wir tauften den Wagen „Goldmund Bienenwagen Wohnbibliothek“, denn er soll nun wieder ein Ort der Begegnung wie auch ein Ort des Rückzugs für uns mündliche Goldmund-Poeten sein. Auf dass diese Geschichte gut weitergehe.“

 

euer

 

Norbert Kober