Sprachentwicklung: Goldmund e.V. Sprach- und Erzählförderung für 4- bis 6-Jährige sowie Grundschüler


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Under Anliegen

Goldmund ist es ein Anliegen, Märchen und Geschichten in die Kindergärten und Grundschulen zu tragen und die erzählerische Eigentätigkeit der Kinder zu fördern. Der Methodenkanon um Kinder ans Erzählen heranzuführen ist bunt. 


Möchten Sie mehr zu diesem Projekt erfahren - uns vielleicht unterstützen? Sollen wir Ihren Kindergarten, Ihre Klasse besuchen?

Wenden Sie sich bitte frei an den Verein unter 0174/9149085 oder

über unsere Kontaktseite.

Geschichten für Kinder

Der Zugang zur Sprache wird bereits in der Zeit vor dem Eintritt in die Schule erschlossen. Dabei ist es wesentlich, ob Kinder in ihrer Sprachentwicklung positiv unterstützt werden. Haben sie Gelegenheit Geschichten zu hören, Bilderbücher zu betrachten? Werden sie ermuntert Erlebtes oder Erdachtes wiederzugeben? Werden Erzählräume geschaffen, die die erzählerische Eigentätigkeit des Kindes fördern? 

Unser Ansatz

Goldmund möchte sich ganz besonderes diesem pädagogischen Aspekt widmen, denn gerade das Erzählen sowie das Erleben von Geschichten und Märchen tragen zur Sprachkompetenz erheblich bei. Das Erzählen eröffnet Raum für den ureigenen sprachliche Ausdruck. Kinder lieben es, in ihrer eigenen Erlebniswelt gehört und gesehen zu werden. Umgekehrt birgt auch das Zuhören einen wichtigen Grundstein für spätere Sprachkompetenz, der weit über die bloße Erweiterung des Wortschatzes hinaus geht. Das „Mitfühlen“ und Teilhaben an Märchen und Geschichten ermöglicht es, sich im Dialog mit anderen die Welt zu erschließen sowie interkulturelles Verstehen zu erleichtern.

Der Anfang

Zunächst ist es uns wichtig, dass Kinder überhaupt in den Genuss von erzählten Geschichten oder Märchen kommen. Anders als beim Betrachten von Fernsehsendungen, Computerspielen oder sogar Bilderbüchern, beteiligt sich die Phantasie des Kindes hier aktiv am Geschehen; es setzt das Gehörte augenblicklich in eigene Bilder um. Bei diesem Prozess ist jedes Kind Schöpfer einer eigenen und somit einmaligen Bilderwelt.

Das Volksmärchen

Als Erzählstoff für das Vorschulalter, das von vielen Pädagogen auch als „magisches Alter“ bezeichnet wird, eignen sich auch Märchen. Besonders die Volksmärchen kommen der kindlichen Form des Denkens nahe:

„Wir hören vom Handeln der Personen, das Geschehen steht im Vordergrund. Auch die Gefühle der Helden werden uns als Handlungen vor Augen geführt. So heißt es nicht, „sie war traurig“, sondern „da setzte sie sich hin und weinte“. In den Schlusswendungen wird ebenfalls keine gedankliche Verarbeitung angeboten, es heißt lediglich: „sie feierten ein Hochzeitsfest“ oder „sie lebten lange und mit Freude“ (Anne Diergarten, Komm, ich erzähl dir was – Märchenwelt und kindliche Entwicklung, Kösel, 1987.)

Die Mutprobe

Auch auf emotionaler Ebene knüpfen die Märchen an die innere Bilderwelt der Kinder an. Die Märchenhelden müssen mit großen Gefahren, ungeheuren Mutproben und überraschenden Wendungen fertig werden. Ihre Erlebnisse sind alles andere als oberflächlich-rational. Genauso wenig wie der Alltag eines Vorschulkindes, zu dem Angstgefühle ebenso dazu gehören wie Freude und Spaß.

 

„Das Märchen vermag ihnen Bilder und Gestalten zur Verfügung zu stellen, an denen sie die Angst festmachen können. Ein Erwachsener hat vielleicht auch Angst, abends in den Keller zu gehen, wobei diese jedoch oft diffus ist. Ein Kind aber, das sagen kann „im Keller ist eine Hexe, und vor der habe ich Angst“, hat eine konkrete, bebilderte Angst.“ (Anne Diergarten, Komm, ich erzähl dir was – Märchenwelt und kindliche Entwicklung, Kösel, 1987.) 

 

Märchen liefern aber auch immer eine gute Portion „Mut“. Es hat sich gelohnt, den eigenen Weg zu gehen, die Gefahr auf sich zu nehmen und die Schwierigkeiten (oft auch mit Witz und Kreativität) zu meistern. Auch das ist ein Halt, der einer Kinderseele gut tut. Ebenso ist es naheliegend, dass die emotionale und sprachliche Entwicklung der Kinder unterstützt wird durch die Fähigkeit, Gefühle zu bebildern und auszudrücken. 

 

William Calvin (Spektrum der Wissenschaft, 14.2.1995) sieht im kindlichen Entwickeln von Geschichten die Entstehung von Intelligenz: "Unser Vermögen zu planen rührt möglicherweise von demjenigen her, syntaktische, zeichenkettenorientierte begriffliche Strukturen zu bilden, die länger als ein Satz sind." ... "Unsere Fähigkeit, zu planen, entwickelt sich schrittweise aus Kindergeschichten heraus und ist eine Grundlage für ethisches Verhalten; indem wir uns den Verlauf einer Handlung vorstellen und ihre möglichen Auswirkungen auf andere einschätzen, können wir entscheiden, ob wir sie ausführen oder besser lassen sollen. Auf diese Weise hebt Syntax Intelligenz auf eine neue Ebene. Wir borgen uns quasi die zur Syntax nötigen Strukturen, um andere Kombinationen möglicher Handlungen zu beurteilen, und können dadurch sowohl unsere planerischen Fähigkeiten als auch unsere Intelligenz erweitern. In gewissem Maße analysieren wir eine Situation durch stumme Zwiesprache mit uns selbst, machen aus dem, was als nächstes passieren wird, Geschichten und wenden dann syntax-ähnliche Kombinationsregeln an, um abzuschätzen, welches der Szenarien gefährlich, unsinnig, möglich, wahrscheinlich oder sinnvoll ist... ."

 

Oder, wie die Schriftstellerin Kathryn Morton über das Geschichtenerzählen bemerkte: "Das erste Anzeichen bei einem Baby, dass aus dem plärrenden Schmuseobjekt nun allmählich ein menschliches Wesen wird, ist, dass es die Welt um sich herum zu benennen beginnt und nach Geschichten verlangt, die diese benannten Teile miteinander verknüpfen. Anschließend wird es das frisch erworbene Wissen seinem Teddybär mitteilen, seine Geschichten darüber erzählen, was es spielt, und sich ausdenken, was es tun wird, wenn es einmal groß ist. Es wird die Handlungen anderer verfolgen und Verstöße gegen die Regeln der Aufsichtsperson melden. Und es wird eine Gute-Nacht-Geschichte verlangen."